Dorftratsch in „Reinkultur“ Lottomillionär und Haschplätzchen in Neuenbeken

Angekündigt war ein Lustspiel mit dem Titel „Ein Dorf ohne Tratsch“, doch was die Theatergruppe Neuenbeken am Wochenende mit Bravour auf die Bühne brachte waren Tratsch und Klatsch „wie sie im Buche stehen“.

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Drei Mal spielten die zehn Laiendarsteller vor ausverkauftem Haus bei den Aufführungen an Freitag, Samstag und Sonntag. Schon am Donnerstag war die Generalprobe von den Schwestern des Missionshauses Neuenbeken gut besucht. Die Theatergruppe nutzt seit vielen Jahren die große Theaterbühne der Aula des Missionshauses.

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Bei der Auswahl des Dreiakters von der Breitscheiderin Christa Bitzer hatte auch die Theatergruppe noch nicht geahnt, dass Realität und Lustspiel in Neuenbeken seltsamerweise nah beieinander liegen.

So buhlen im Stück, bei dem Magdalene Schäfers die Regie führte, gleich mehrere Bewerber beim Bürgermeister um ein leer stehendes Ladenlokal mitten im Dorf und tatsächlich schloss der Neuenbekener Lebensmittelmarkt Jöring an diesem Wochenende. Glücklicherweise ist dafür bereits ein Pächter gefunden und der Laden öffnet schon nächste Woche wieder.

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Regie und Souffleuse: Magdalene Schäfers

Im „Dorf ohne Tratsch“ waren es anstrengende Stunden für die Gäste, deren Lachmuskeln ohne Unterlass gefordert waren, bis der alte Laden in der dörflichen Kulisse unter dem Hammer war. An so mancher Stelle wurde dabei klar, wie Gerüchte entstehen und sich beim Tratschen immer weiter von der Wahrheit entfernen.

Federführend bei der Verbreitung von „Neuigkeiten“ sind die Postangestellte  (und damit auch nicht weit von der Realität entfernt). Als die beiden erfahren, dass es in Neuenbeken einen Lottogewinner gibt, der sage und schreibe sechs Millionen gewonnen hat, laufen die beiden „Tratschtanten“ zur Höchstform auf.

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Käthe Kleber (Andrea Klette) und Heidi Laber (Karin Volkhausen)

Während Heidi die Post der Dorfbewohner öffnet, klappert Käthe die Häuser ab, um etwas über diesen anonymen Typen herauszufinden. Hinter dem Lottomillionär ist auch die Zeitungsreporterin Sybille Putt (ganz neu im Ensemble: Steffi Driller) her, denn eine Titelstory über den Mann könnte ihrer Karriere auf die Sprünge helfen.

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Sybille Putt (Steffi Driller)

Da sie schnell feststellt, dass die „Wahrheit“ in Neuenbeken nicht so schnell ans Licht kommt, greift sie zu unkonventionellen Mitteln: Mit Hilfe von selbstgebackenen Haschkeksen will sie den Dorfbewohnern das Geheimnis entlocken.

Parallel versucht der Bankangestellte Herr Spar, Stefan Schäfers mit ständig zuckender Schulter, seiner neuen türkischen Putzfrau Ayche Übegün alias Angelika Lütkemeyer Lebensversicherungen aufzuschwatzen.

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Herr Spar (Stefan Schäfers) und Ayche Übegün (Angelika Lütkemeyer)

Interesse am leerstehenden Dorfladen zeigen der auf Diät gesetzte Metzgermeister Kleber – ganz gewaltig und hungrig: Gerald Rüngeler – und Künstler Leonardo Wortelhöfer, Hendrik Düsing – auch neu in der Theatergruppe.

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Metzgermeister Kleber (Gerald Rüngeler)
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Künstler Leonardo Wortelhöfer (Hendrik Düsing)

Den Künstler favorisiert die Frau des Bürgermeisters Krimhilde Lückhausen (Irene Schwade), um mit ihm dem Dorf etwas Kultur „einzuhauchen“. Allerdings hat Bürgermeister Lückhausen, souverän: Ferdi Pöppe, schon einen Deal mit dem Metzger.

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Krimhilde Lückhausen (Irene Schwade)und Bürgermeister Lückhausen (Ferdi Pöppe)

Am neuesten „Kunstwerk“ Wortelhöfers, aufgestellt auf dem Dorfplatz, entbrennt sogleich ein Streit über den Laden und den Kunstverstand.

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Die von Reporterin Putt in Umlauf gebrachten Haschplätzchen zeigen schnell ihre Wirkung: Herr Spar wird „hemmungslos“, bezirzt die Reporterin und Ayche und ist für die Tratschtanten ganz klar ein „Triebtäter“.

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Ein Gespräch über das alte Ladenlokal haben Heidi und Käthe belauscht aber nur halb mitbekommen, sodass sie die Aussagen auf die Frau Bürgermeisterin beziehen.

Ein neues Gerücht ist sogleich Dorfgespräch: Die Bürgermeisterfrau ist alt und bröckelig und nur mit viel Geld wieder herzurichten.

Dieses Gerücht bringt Ayche nochmals durcheinander und petzt es der ziemlich erbosten Bürgermeisterin.

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Heidi Laber traut sich plötzlich haschbeseelt in ihrem Dschingis Khan-Kostüm unter die Leute und verfolgt mit Käthe den Triebtäter Spar.

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Die Ruhe weg hat Postbote Uwe Berg, cool gespielt von Hubert Hinrichs. Er setzt gezielt neue Gerüchte in Welt, behält den Überblick und offenbart sich schließlich der Reporterin, denn er ist der Lottogewinner, der den Laden kauft und dort eine Kneipe aufmachen will.

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Reporterin Sybille Putt (Steffi Driller) und Postbote Uwe Berg (Hubert Hinrichs)

Wegen der gesamten durch Gerüchte und Klatsch entstandenen Dorfmisere ist tratschen jetzt tabu. Allerdings nicht lange, den Heidi hält‘s nicht lange durch. So konstatiert Bürgermeister Lückhausen bevor sich der Vorhang schließt: „Ein Dorf ohne Tratsch ist wie eine Suppe ohne Salz!“

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Mit anhaltendem Applaus forderte das Publikum die Schauspieler in allen Aufführungen mehrmals auf die Bühne. Die Theatergruppe verabschiedete sich mit dem Dank für die Unterstützung durch das Missionshaus sowie „alter“ und neuer Geschäftsleute und vieler Dorfbewohner.

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Michael Biermann (1. Vorsitzender der Theatergruppe) überreicht Doris Jöring einen Blumenstrauß für die langjährige gute Zusammenarbeit.

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Weitere Impressionen sind auf unserer Bilderseite bei Flickr zu finden.

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