Mordskomische Uraufführung im Beketal
In drei ausverkauften Vorstellungen hat die Theatergruppe Neuenbeken am vergangenen Wochenende ihrem begeisterten Publikum mörderischen Spaß mit der Krimikomödie “Nur der Hering war Zeuge” geboten. Auf der Bühne in der Aula des Missionshauses löste Alt-Kommissar Stringer drei Mal einen vermeintlichen Mordfall im friesischen Inselhotel – allerdings unter erheblichem Tohuwabohu mit den mysteriösen Hotelgästen, dem Personal, seiner nervenden Gattin, viel zu viel Sanddornlikör und nicht zuletzt unter heftigen Lachsalven. Das neue Stück des ostfriesischen Autors Wolfgang Santjer präsentierten die Neuenbeker Schauspielerinnen und Schauspieler als Uraufführung.
Bühne frei für den mörderischen Plan
Trauen Sie niemanden – auch nicht ihrem Sitznachbarn. So instruierte Regisseurin Sabine Schäfers-Bechtloff zwinkernd das Publikum, bevor sich der Vorhang öffnete. In der mit Liebe zum Detail gestalteten Kulisse eines in die Jahre gekommenen Hotelfoyers entlarvte Portier Hein Bühl, gespielt von Stefan Schäfers, seinen Chef und Hotelbesitzer Bertus Ackermann als Pleitegeier. Patrick Delitzscher hatte sich eigens für die Rolle des Hoteliers einen original friesischen Dialekt angeeignet. Das gesamte Vermögen verzockt, die Buchführung frisiert und nebenbei noch Zeit für Seitensprünge – das alles holte Bertus plötzlich ein und er beichtete Hein sein ganzes Dilemma. Er fürchtete um sein Leben.
Im Hotel checkten sodann unter “Legenden” einige Gäste ein, die mit Bertus mehr als ein Hühnchen zu rupfen hatten. Die Finanzbeamtin Martha Pingel (Doro Ohlmer) hatte Bertus erfolgreich bezirzt und ihr die Heirat versprochen, damit sie die Finanzprüfung verschiebt. Auch seinem letzten Kurschatten, Chantall Kowalski (Steffi Driller) hatte er die Ehe versprochen. Ein geprellter Kreditgeber schickte ihm den als ziemlich brutal bekannten Geldeintreiber Max Schmerzer (Hubert Hinrichs), genannt “die Zange”, an den Hals.
An Flucht war wegen des sturmbedingt ausgefallenen Fährverkehrs nicht zu denken. Um den Widersachern zu entkommen, heckten Hein und Bertus einen abenteuerlichen Plan aus. Sie täuschten im Hotelfoyer einen spektakulären Mord an Bertus vor. Das quicklebendige Mordopfer checkte als “Mönch mit Schweigegelübte” im Hotel ein. Unerkannt mit Kutte, Kapuze und Rauschebart konnte sich Bertus wortlos unter die Gäste mischen. Selbst Hotelchefin Brunhilde Ackermann (Nicole Driller) erkannte ihren Ehemann nicht und trauerte herzzerreißend.
“Ich weiß jetzt, wer der Mörder ist!”
Bertus und Hein hatten jedoch nicht mit den Hotelgästen Ernst Stringer nebst Gattin Agathe gerechnet. Den pensionierten Kriminalkommissar und dessen Frau verkörperten Udo Bechtloff und Karin Volkhausen herrlich angelehnt an das Duo Sherlock-Holmes und Watson.
Während Ernst die Hotelgäste und das Personal in Kreuzverhöre nahm und ihre wahren Identitäten aufdeckte, durchsuchte Agathe als seine Kriminal-Assistentin die Zimmer. Sie förderte reichlich vermeintliche und peinliche “Beweismittel” zu Tage und nervte Ernst mit ihren aberwitzigen Theorien zum Mörder. Derweil machte sich der arbeitsuchende Koch Claude Michelin, authentisch dargestellt von Gerald Rüngeler, an Hotelchefin Brunhilde ran. „Zange“ Schmerzer verliebte sich in die frivole Tatjana, die inkognito eingecheckt hatte, um nicht sofort als Restaurant-Kritikerin erkannt zu werden. Christina Franke stand als Tatjana das erste Mal auf der Neuenbeker Bühne und bestach mit ihren koketten Auftritten und mit richtig blöden Witzen.
Sanddornlikör mit viel “Oho“
Unterdessen versorgte Hein sich und die Hotelgäste mit reichlich selbstgepanschten Sanddornlikör. Davon benebelt bahnte sich eine Liaison mit Martha an. Ziemlich angetüdelt fieberte das gesamte Ensemble feuchtfröhlich dem Finale entgegen.
Nur Alt-Kommissar Stringer behielt den Überblick. Dank seiner cleveren Ermittlungen und seiner Kombinationsgabe flog der Mordsschwindel auf. So kam es einerseits zu einem klassischen Happy End mit drei frischen Liebespaaren. Doch an den Armen des mörderischen Duos Bertus und Hein klickten die Handschellen. Das Finanzamt und die Geldhaie dürften freilich keine Ruhe geben…
Keine Ruhe hatte auch das von Lachsalven “geplagte” Publikum. Die Zuschauer gingen amüsiert mit und spendeten den zehn Schauspielerinnen und Schauspielern herzlichen Szenenapplaus. Großes Lob bekamen das Bühnenbild und der Service rund um die Aufführungen. Beeindruckt von der Umsetzung des Stücks zeigten sich auch zwei Entsandte des Autors, die stellvertretend zur Uraufführung angereist waren und der Theatergruppe mit äußerst positiven Kritiken ihren Respekt zollten.
Fotos der Aufführungen von Anke Amedick















